Ab wann gilt in Deutschland eine Scheinselbstständigkeit?


#1

Ich habe auch eine Frage für die Sprechstunde.

Ein Startup hat mich vor einiger Zeit gefragt, ob ich für sie als Freelancer arbeiten möchte. Wir haben uns auf einen pauschalen Lohn geeinigt und Mitte letzten Jahres zu arbeiten begonnen. Mittlerweile arbeite ich dort etwa 25-30h die Woche.

Einige Zeit lang hatte ich auch andere Kunden, aber seit diesem Jahr ist es mir lieber, rein für das Startup als Freelancerin zu arbeitzen. Nun habe ich gehört, dass ich gefahr laufe als scheinselbstständig zu gelten, dabei möchte ich gar nicht angestellt werden, denn mir gefällt, dass ich flexibel bleiben und auch für andere Kunden arbeiten kann (irgendwann vielleicht wieder)

Wie groß ist das Risiko und was muss ich beachten?


#2

Hallo Steffi,

Seit diesem Jahr sind die Bedingungen für die Einstufung als Scheinselbständiger etwas gelockert worden. Früher war hauptsächlich die Anzahl der Auftraggeber ausschlaggebend, d. h. nur ein 1 Auftraggeber bedeutete in der Regel schon Scheinselbständigkeit. Mittlerweile wird auch auf die Vergütung berücksichtigt, d. h. ein Stundenlohn deutlich höher als bei vergleichbaren Abgestellten ist ein Indiz für die Widerlegung der Scheinselbständigkeit. Zudem sind die vertraglichen Vereinbarungen zur Arbeitszeitgestaltung, Urlaubsregelungen, Weisungsgebundenheit usw. wichtig für die Prüfung, ob Scheinselbständigkeit vorliegt. Sie sollten auf jeden Fall einen schriftlichen Vertrag mit dem Auftraggeber haben, der Ihnen die Entscheidungen über Ihre Arbeitszeitgestaltung, Auftragsannahme usw. ermöglicht. Eine klare Abgrenzung, wann Scheinselbständigkeit angenommen wird, gibt es tatsächlich nicht. Es wird immer im Einzelfall anhand der Verträge und Konstellationen zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer entschieden. Die Gefahr der Scheinselbständigkeit besteht leider immer und es gibt keine Vorgaben, wann und warum das Finanzamt eine Scheinselbständigkeit prüft. Da kann die Betriebsprüfung beim Auftraggeber ein Grund sein oder es schwärzt Sie jemand beim Finanzamt an oder einfach Zufall…

Alles Gute


#3

Super, danke für die ausführliche Antwort und freut mich zu hören, dass die Regeln diesbzgl. etwas gelockert wurden.

Ich werde versuchen die Situation gut zu dokumentieren, damit ich alles schriftlich habe, und mich auch dem Startup dazu kurzschließen.